Stolpersteine im virtuellen Klassenraum

Virtuelle Klassenräume bzw. Web-Konferenzen/Webinare/Online Meetings  spielten im normalen Unterricht oder in der Regionalen Fortbildung bisher keine nennenswerte Rolle.

Die Corona-Krise hat auch hier für eine gründliche Änderung gesorgt und auf einmal sind die verschiedenen Möglichkeiten und Anbieter hoch im Kurs und in aller Munde.

Zoom, Adobe Connect, Cisco WebEx, Jitsi Meet, BigBlueButton, Google Hangouts/Meet, Microsoft Teams… – der Markt mit seinen verschiedenen Lösungen ist groß und unübersichtlich und natürlich wittern die kommerziellen Anbieter in der augenblicklichen Situation ihre Chancen und überbieten sich gegenseitig mit zeitweise kostenfreien Lockangeboten.

Ob man sich nun für ein datenschutzrechtlich einwandfreies OpenSource-Projekt (z.B. Jitsi und BigBlueButton) oder eine kommerzielle Lösung entscheidet: Am Ende spielen oft andere Faktoren eine Rolle für erfolgreichen „Fern-Unterricht“, als das gewählte System.

  • individuelle Internetanbindung der einzelnen TN
    • Tipp: Je leistungsfähiger, desto besser! Möglichst kabelgebunden statt WLAN, zusätzliche Belastungen des Anschlusses (der Rest der Familie streamt Netflix…) vermeiden
  • Vertrautheit der TN mit der Webkonferenztechnik
    • Tipp: Viel Zeit oder sogar eine Extra-Sitzung für die Erläuterung der Technik einplanen
  • weitere technische Vorbedingungen
    • Tipp: Möglichst mit Headset (Ohrhörer vom Smartphone…) arbeiten, TN sollten eine ruhige Umgebung ohne Hintergrundgeräusche haben
  • Regeln für die Verwendung von Kamera und Mikrofon
    • Tipp: Kamera und Mikrofon der TN nur aktivieren, wenn es nötig ist (entweder über die Konferenzsoftware oder durch Treffen von entsprechenden Verabredungen)
  • klare Gesprächsregeln
    • Tipp: Alles so wie im analogen Klassenraum… Durcheinanderreden unbedingt verhindern! Das Wort haben die Moderatoren, TN melden sich vor Wortmeldungen und warten, bis sie aufgerufen werden.
  • Dauer der Veranstaltung
    • Tipp: Virtueller Unterricht ist für alle Beteiligten viel anstrengender und muss wesentlich kürzer sein! 1,5 Stunden sind das absolute Maximum für die Konzentrationsfähigkeit, empfehlenswert sind sogar nur 45 Minuten
  • Größe der TN-Gruppe
    • Tipp: Wie im richtigen Unterrichtsleben – je kleiner die Gruppe, desto besser. Bei mehr als 10 TN sind Wortmeldungen oder Diskussion nicht mehr handhabbar und die Veranstaltung wäre so lehrerzentriert, dass man sie eigentlich besser durch eine Aufzeichnung/ein Erklärvideo/Tutorial ersetzen könnte.
  • Strukturierung der Veranstaltung
    • Wer alleine ein Web-Meeting moderiert, kann nicht gleichzeitig individuelle Fragen beantworten oder auf eine Meldeoption achten. Lösung: Zeit festlegen, in der TN zu Wort kommen und Fragen stellen können
    • Veranstaltung durch vorab (Download, E-Mail) zur Verfügung gestelltes Material (Ablaufplan, ABs usw.) vorstruktieren
    • Veranstaltung im Team mit mehreren Moderatoren mit verteilten Aufgaben (Präsentation, Moderation, Protokoll, Beantwortung von Chat-Fragen) leiten
  • Umfang der Inhalte
    • Siehe auch Veranstaltungsdauer – Webmeetings müssen wesentlich inhaltsschmaler gestaltet sein. Eine Veranstaltung über interaktive Lernmodule stellt also z.B. nicht LearningApps, Kahoot, Quizlet und H5P vor, sondern ausschließlich LearningApps.
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